Es gibt diesen Moment, in dem man ein Wohnzimmer betritt und sofort spürt: Hier hat jemand nachgedacht. Nicht weil die Möbel teuer wären, nicht weil die Wand frisch gestrichen ist, sondern weil irgendwo im Raum ein einzelnes Objekt steht, das alles um sich herum ordnet. Erstaunlich oft ist es eine Vase.
Vasen sind das unterschätzteste Deko-Objekt überhaupt. Wir denken bei „Wohnzimmer aufwerten“ sofort an neue Kissen, eine andere Decke, vielleicht ein größeres Möbelstück. Dabei reicht häufig eine einzige, gut gewählte Vase auf dem richtigen Sideboard, um einen Raum auf ein anderes Niveau zu heben. Voilà: Wirkung mit minimalem Eingriff.
2026 wird interessant für Vasen-Liebhaber. Die Formen werden organischer, die Erdtöne kommen zurück, und mundgeblasenes Klarglas erlebt eine kleine Renaissance neben handgedrehter Keramik aus europäischen Ateliers. Ich habe in den letzten Wochen so viele Vasen angeschaut, dass mein Browser-Verlauf langsam aussieht wie das Lager eines Concept Stores in Kopenhagen. Hier sind die fünf, die mich wirklich überzeugt haben, jede mit einer eigenen Daseinsberechtigung, jede in einer anderen Preisklasse, jede mit einem kleinen Designer-Kommentar von Moritz, der die Komposition aus seiner Sicht einordnet.
Eine dieser fünf Vasen steht übrigens schon seit über einem Jahr bei mir auf dem Sideboard. Sie hat mir mehr über Vasen beigebracht als jeder Concept Store. Welche es ist und was sie mir beigebracht hat, verrate ich dir am Ende.
Meine 5 Lieblingsstücke
Diese fünf Stücke habe ich nicht nach Preis sortiert, sondern nach dem, was sie im Raum leisten. Eine der Vasen steht bei mir, eine hätte ich fast gekauft, zwei habe ich Freunden empfohlen. Zu jedem Stück gibt es einen kurzen Produktkasten mit direktem Link.
Falls du schon genau weißt, worauf du hinauswillst:
- Die Cristalica(*) setzt das große Statement,
- die claï-studio(*)- und die Latona-Vase(*) sind die zugänglichen Einstiege,
- die Muuto Kink(*) ist das Designerstück fürs Sideboard, und
- die Hammershøi(*) bringt Tiefe in eine ruhige Ecke.
Den Rest erzähle ich dir jetzt im Detail.
Vase 1: Die mundgeblasene Klarglas-Statement-Vase
Wenn ich nur eine Vase aus dieser Liste in meinem Wohnzimmer hätte, wäre es diese. Mundgeblasenes Klarglas hat etwas, das industriell hergestelltes Glas nie erreicht: kleine Bläschen im Material, eine minimale Wandstärke-Unregelmäßigkeit, ein Pontilmarken-Abdruck am Boden, der zeigt, dass hier wirklich jemand die Pfeife gehalten hat. Genau diese Spuren verwandeln ein Stück Glas in ein Objekt, das eine Geschichte trägt.
Die Bodenvase Plum Famous (ca. 60 cm) von Cristalica(*) ist so ein Stück. Konische Form, klare Kontur, transparentes Klarglas ohne Schnörkel: das Maximum an Wirkung mit dem Minimum an Dekor. Mit knapp 60 cm Höhe und 28 cm Durchmesser ist sie groß genug, um auf einem Sideboard zu stehen und trotzdem den Raum zu behaupten. Solo im Eingangsbereich, neben einem Sessel oder auf einer freien Konsolenfläche wird sie zum stillen Anker des Raums. Mit ein paar Pampasgras-Halmen oder einem einzelnen langen Eukalyptus-Zweig bekommt sie eine fast skulpturale Präsenz. Cristalica fertigt diese Vasen in Handarbeit: jede ist ein Unikat, was man sieht, wenn man zwei nebeneinander hält.
Was mich an diesem Stück besonders überzeugt, ist die Wirkung bei Tageslicht. Klarglas in dieser Größe fängt das Licht ein und gibt es weicher zurück, fast wie ein zweites kleines Fenster im Raum. In dunkleren Ecken wirkt sie deshalb mehr als rein dekorativ: Sie öffnet die Stelle, an der sie steht.
Ich stehe manchmal vor ihr und denke: Vielleicht doch.
Meine Wahl damals war kleiner. Und hat mich mehr überrascht.
Große Glasvasen funktionieren nur, wenn die Wand hinter ihnen ruhig ist. Vor einer Tapete oder einem Bilder-Cluster verschwindet klares Glas optisch. Stell sie vor eine einfarbige Wand, einen Vorhang oder eine offene Flächentür. Dann hat sie den Raum, den ihre Form verdient.
Konische Form, transparentes Klarglas, keine Schnörkel. Bei Tageslicht wirkt sie wie ein zweites kleines Fenster im Raum: mein Favorit für den Eingangsbereich oder eine freie Konsolenfläche.
(Bild: Cristalica.de / Bearbeitung: Deko ma Belle)
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Vase 2: Reduzierte Formen von claï studio
Stefanie Lennartz dreht in ihrem Atelier in Berlin Prenzlauer Berg jede Vase einzeln auf der Scheibe. Ihr Label heißt claï studio(*), und was sie aus Ton entstehen lässt, verkörpert das, was man gerade überall als taktilen Minimalismus beschreibt: reduzierte Formen, Glasuren mit spürbarer Tiefe, nichts Lautes. Ihre Stücke reichen von winzigen Bud-Vasen mit gerade einmal 12 Zentimetern bis zu schlankeren Standvasen wie Moss, fast 30 Zentimeter hoch. Das Prinzip bleibt dabei über jede Größe hinweg dasselbe. Bei ihr kostet eine handgedrehte Bud-Vase zwischen 45 und 100 Euro, je nach Glasur und Form.
„Bud-Vase“ ist eigentlich nur ein hübsches Wort für etwas, das ich seit Jahren mache, ohne es so zu nennen: eine einzelne Blüte in ein schmales Gefäß stellen und sie für sich sprechen lassen. Keine Fülle, kein Anspruch auf einen ganzen Strauß, nur ein Stiel und ein bisschen Raum um ihn herum.
Eine solche Vase ist im Grunde ein Komma in deinem Wohnzimmer-Arrangement. Sie löst keine großen Probleme, sie setzt einen Akzent. Wenn du die große Vase hast, die Schale, die zwei Bücher als Stapel, und merkst, dass da noch etwas fehlt, dann fehlt meistens kein weiteres Statement, sondern genau dieses kleine Ruhepunkt-Objekt, das ein Stillleben zusammenhält.
Besonders hängengeblieben bin ich bei der Haptik von Stefanies gefertigten Stücken. Ich habe vor ein paar Monaten eine ihrer kleineren Vasen in der Hand gehalten, und das Gewicht, das eine handgedrehte Keramik in dieser Größe hat, ist etwas, das man aus dem Concept Store mitnimmt und zu Hause sofort wieder zur Hand nimmt, einfach weil sie sich gut anfühlt. Industriell gefertigte Bud-Vasen sind oft leicht und ein bisschen hohl. Stefanies Vasen sind dicht. Sie liegen in der Hand wie ein kleiner Stein, den jemand poliert hat.
Eingesetzt wird so eine Bud-Vase mit genau einer Blüte. Eine einzelne Pfingstrose, ein Mohnstil, ein einsamer Tulpenkopf nach drei Tagen, wenn die anderen schon abgefallen sind. Manchmal auch nur ein kleiner Olivenzweig. In Gruppen aus drei Vasen unterschiedlicher Höhe entfaltet sie ihre stärkste Wirkung, auf einem schmalen Sideboard, einem Nachttisch oder zentral auf einem runden Esstisch.
Ein praktischer Hinweis: claï studio verkauft hauptsächlich über die eigene Website. Wenn du das Stück nicht direkt findest, schreib Stefanie eine kurze Nachricht. Sie nimmt auf Anfrage auch Sonderwünsche an. Genau das ist es, was eine echte Manufaktur von einem Wiederverkäufer unterscheidet: dass jemand am anderen Ende der Mail wirklich antwortet.
Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung: Man kauft etwas fast beiläufig … und merkt erst Monate später, was es einem wirklich bedeutet.
Kleine Vasen brauchen Höhenstaffelung, sonst wirken sie verloren. Wenn du dir eine Bud-Vase kaufst, plane direkt zwei dazu, idealerweise in drei unterschiedlichen Höhen, alle vom selben Macher. Drei Stücke aus einer Hand wirken im Raum immer ruhiger als drei Stücke aus drei verschiedenen Shops, selbst wenn die einzelnen Vasen gut zueinander passen würden. Die Hand erkennt man.
Preispunkt: ca. 235 €
28 cm hoch, 9 cm im Durchmesser. Diese Vase ist für genau einen Blumen-Stiel gemacht. Der Name sagt alles über die Glasur, die aussieht, als hätte jemand Moos und Lavagestein in einen einzigen Ton destilliert: aufgeraut, tief, mit einem leichten Blauschimmer je nach Licht.
Jedes Stück ein Unikat, auf der Drehscheibe gefertigt von Stefanie Lennartz in ihrem Atelier in Berlin, Prenzlauer Berg.
(Bild: claï studio)
Die Vase „Moss“ bei „claï studio“ ansehen ➜
Vase 3: Die Designer-Vase mit klarer Linienführung
Es gibt Vasen, die ihren Charakter erst zeigen, wenn etwas drinsteht, und solche, die das nicht brauchen. Die Kink Vase von Muuto bei Nordic Nest(*) gehört zur zweiten Kategorie. Sie ist eines dieser Objekte, das man auf einer Konsole platziert und dabei genau weiß: Hier muss nichts mehr dazu, der Raum hat seinen Akzent.
Die Kink hätte ich fast gekauft. Fast.
Entworfen vom Earnest Studio für Muuto, vereint die Vase „Kink“ skandinavische Designtradition mit einer fast spielerischen Geste. Ihre Silhouette erinnert an einen sanft gebogenen Regenbogen: zwei aufrechte Röhren, verbunden durch eine weiche, geschwungene Wölbung. Das Stück ist aus pigmentiertem Porzellan gefertigt, innen glasiert für Wasserdichtigkeit, außen unglasiert, was ihm eine matte, leicht raue Haptik gibt. Die Oberfläche fühlt sich an wie Stein nach langem Sonnenlicht, nicht wie Industrie-Porzellan.
Erhältlich ist sie in mehreren gedeckten Tönen, von einem warmen Sand über ein staubiges Lilac bis zu einem zarten Hellblau. Preislich startet sie bei rund 150 Euro. Kein Schnäppchen, aber das ist auch nicht der Punkt. Wer eine Vase wie die „Kink“ kauft, kauft sie für die nächsten zehn Jahre. Sie ist eines dieser Stücke, die du bei einer Wohnungs-Renovierung in jeden neuen Raum mitnimmst und immer wieder neu einsetzt.
Das Besondere ist eine Eigenschaft, die man erst beim zweiten Hinschauen bemerkt: Ihre zwei Öffnungen erlauben eine Inszenierung, die andere Vasen nicht schaffen. Eine einzelne lange Rose links, ein kurzer Zweig mit Knospen rechts, und schon hast du keine Vase mehr, sondern ein Mini-Stillleben. Und an Tagen, an denen kein Blumenstrauß im Haus ist, steht die Kink leer auf dem Sideboard und ist trotzdem nicht nackt. Genau das ist das Versprechen eines guten Designobjekts.
Was sie ergänzt, ist das Spannungsfeld zwischen Strenge und Weichheit. Die geraden Röhren wirken zuerst kühl-architektonisch, dann lenkt der Bogen den Blick und macht aus der Kühle eine Geste. In einem modernen Wohnzimmer mit Bouclé-Sofa und warmen Holztönen bildet sie genau den Kontrapunkt, der den Raum erwachsen wirken lässt: nicht zu rund, nicht zu weich, nicht zu beliebig.
Die Kink-Vase braucht Luft um sich herum. Stell sie nicht zwischen andere Deko-Objekte, sondern allein auf eine Fläche: idealerweise eine Konsole im Eingangsbereich oder ein freies Sideboard im Wohnzimmer. Sobald andere Objekte zu nah stehen, verliert die skulpturale Form ihre Wirkung. Eine Faustregel: mindestens 30 Zentimeter Abstand zum nächsten Gegenstand.
Skulptur und Vase in einem: Die zwei Öffnungen machen jede Inszenierung zu einem Mini-Stillleben. Erhältlich in mehreren gedeckten Tönen.
(Bild: Muuto/Nordic Nest / Bearbeitung: Deko ma Belle)
Zur Vase „Kink“ bei Nordic Nest(*) ➜
Wer noch tiefer einsteigen will: PorzellanTreff.de führt Vasen-Klassiker und moderne Designs nebeneinander.
(Screenshot: PorzellanTreff-Shop)
Zur Kategorie „Vasen“ bei PorzellanTreff(*) ➜
Vase 4: Die Keramik-Statement-Vase mit Glasur-Charakter
Es gibt Designs, die so alt sind, dass sie längst wieder neu wirken. Die Hammershøi Vase von Kähler ist so ein Fall. Die markanten Rillen, die diese Kollektion trägt, gehen zurück auf Svend Hammershøi, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts für Kähler entwarf. Der Designer Hans-Christian Bauer hat die Form später neu interpretiert, ohne ihren Charakter zu verändern. Was dabei herauskommt, ist eine Vase, die gleichzeitig alt und neu aussieht, und genau das macht sie für mich interessant.
Was eine geriffelte Keramikvase im Raum so anders wirken lässt als eine glatte, ist die Lichtwirkung. Die Rillen brechen das Tageslicht in feine Schattenlinien, die sich je nach Sonnenstand über die Oberfläche bewegen. Eine glatte weiße Vase reflektiert Licht gleichförmig, eine gerillte spielt damit. Das ist subtil, aber genau diese kleine Bewegung im Material macht aus einem schlichten weißen Objekt etwas, das man zweimal anschaut.
Mit 20 cm Durchmesser und 25,5 cm Höhe ist sie groß genug, um als Solitär zu funktionieren, aber kompakt genug für ein normales Sideboard. Die ovale Form gibt ihr etwas Weiches, ohne unentschlossen zu wirken. Aktuell ist sie reduziert erhältlich, was sie zu einem der preislich freundlicheren Einstiege in diesem Artikel macht, gerade weil sie aus einer Manufaktur-Tradition kommt, die man sonst deutlich teurer bezahlt.
Gerillte Oberflächen brauchen seitliches Licht, um zu wirken. Stell die Vase nicht direkt unter eine Deckenleuchte, sondern dorthin, wo Tageslicht von der Seite einfällt, etwa neben ein Fenster oder vor eine helle Wand mit Lichteinfall am Nachmittag. Bei reinem Deckenlicht von oben verschwinden die Schatten in den Rillen fast komplett, und die Vase wirkt flacher als sie ist.
Die markanten Rillen gehen auf Svend Hammershøis Originalentwürfe für Kähler zurück. Bricht das Licht in feine Schattenlinien, die sich über den Tag verändern.
(Bild: Kähler/Nordic Nest / Bearbeitung: Deko ma Belle)
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Vase 5: Die Westwing-Trendvase als Pinterest-Klassiker
Wenn du nur eine Vase aus diesem Artikel kaufst und dich nicht zwischen Manufaktur-Tiefe und Designer-Statement entscheiden willst, sollte es eine Vase sein, die einfach funktioniert. Eine, die du auf jedes Sideboard stellen kannst, in jedem Wohnstil aufgeht und sich nie nach „falscher Wahl“ anfühlt. Diese Vase gibt es. Und sie wohnt bei Westwing.
Westwing hat in den letzten Jahren eine eigene Vasen-Ästhetik entwickelt(*), die fast schon zur DACH-Wohnzimmer-Signatur geworden ist. Organische Formen, gedeckte Erdtöne, mittlere Größe: nicht zu klein, um zu verschwinden, nicht zu groß, um zu dominieren. Du erkennst diese Vasen, wenn du auf Pinterest durch Wohnzimmer-Pins scrollst, oft ohne zu wissen, dass sie alle aus derselben Quelle stammen. Genau das ist ihre Stärke und ihr Verdacht zugleich: Sie sind so universell einsetzbar, dass sie austauschbar wirken könnten. Tun sie aber nicht, wenn die Vase richtig gewählt ist.
Aktuell überzeugen mich besonders die handgefertigten Bauchvasen im unebenen Wabi-Sabi-Look, ob in warmen Erdtönen oder marmoriertem Weiß-Grau wie meine aktuelle Empfehlung: Die Oberfläche verrät immer, dass hier noch von Menschenhand geformt wurde, nicht aus einer industriellen Form gegossen. Die Preise bewegen sich zwischen 50 und 150 Euro, was im Vergleich zu Designer-Stücken wie der Muuto „Kink“ ein freundliches Eintrittsniveau ist. Du bekommst bei Westwing Stücke, die in 90 Prozent der Wohnzimmer auf Anhieb funktionieren. Diese sind ihren Preis durchaus wert.
Was Westwing besonders kann, ist die Inszenierung. Auf der Produktseite zeigen sie dir, wie die Vase im Raum wirkt, mit welchen Möbeln sie sich kombiniert, welche Blumen am stärksten zur Form passen. Das ist Service, den ein Etsy-Shop nie liefert. Für viele Leser, die noch unsicher sind, wie sie ihren eigenen Stil entwickeln, ist diese Inszenierungs-Hilfe Gold wert. Du kaufst nicht nur eine Vase, du kaufst eine Idee, wie sie bei dir aussehen könnte.
Was du wissen solltest: Das Westwing-Sortiment wechselt schnell. Eine Vase, die heute im Shop ist, kann in zwei Monaten ausverkauft sein. Wenn du eine bestimmte Form siehst, die dir gefällt, zögere nicht. Bei den beliebtesten Bauchvasen gibt es immer wieder Wartelisten, weil sie zu den meistverkauften Wohnaccessoires des Jahres gehören.
Westwing-Vasen sind perfekt, wenn du gerade erst anfängst, deinen eigenen Wohn-Stil zu entwickeln. Sie geben dir einen sicheren Boden, von dem aus du dich später in spezifischere Manufaktur-Stücke vorarbeiten kannst. Wer schon ein klares Auge für Interior hat, wird über die Westwing-Vase irgendwann hinauswachsen. Und genau dann beginnt der eigentliche Spaß am Vasen-Sammeln.
Handgefertigt im unebenen Wabi-Sabi-Look: jedes Stück minimal anders. Der sichere Einstieg. Funktioniert in fast jedem Wohnzimmer.
(Bild: Westwing Collection / Bearbeitung: Deko ma Belle)
Vase „Latona“ bei Westwing ansehen(*) ➜
So komponierst du Vasen richtig
Drei Vasen, die du dir aus diesem Artikel mitnimmst, sind kein Sammelposten: Sie sind eine kleine Komposition. Moritz hat dazu ein paar Grundregeln aus seiner Designer-Praxis, die ich inzwischen selbst nicht mehr missen möchte:
Ungerade Anzahlen wirken ruhiger.
Drei oder fünf Vasen
wirken im Raum immer harmonischer als zwei oder vier. Das Auge
sucht bei geraden Zahlen automatisch nach Symmetrie, findet sie
aber selten perfekt, und das erzeugt Unruhe. Ungerade Gruppen
lassen dem Auge mehr Spielraum, weil keine erzwungene Mitte
entsteht. Wenn du dir zwei Vasen aus diesem Artikel kaufst, kauf
direkt eine dritte dazu, auch wenn sie klein ist.
Stufe die Höhen ab.
Drei Vasen in identischer Höhe
wirken wie ein Soldatentrupp, nicht wie ein Stillleben. Die
einfachste Regel: kleinste Vase, mittlere Vase, große Vase,
in einem Höhenverhältnis von ungefähr 1 zu 2 zu 3.
Maximal zwei Materialien gleichzeitig.
Glas, Keramik, Porzellan, Steingut, alles schöne Materialien, aber drei verschiedene in einer Vasengruppe wirken schnell beliebig.
Mundgeblasenes Glas plus handgedrehte Keramik zum Beispiel:
das funktioniert. Mehr braucht keine Gruppe.
Eine dominante Farbe, eine Akzentfarbe.
Die kräftigste
Glasur bestimmt die Hauptfarbe der Gruppe, die anderen Vasen
ordnen sich farblich unter. Eine moosgrüne Keramikvase neben einer warmen Sand-Vase neben einer transparenten Klarglas-Vase funktioniert. Drei Vasen in drei kräftigen Farben funktioniert
nicht.
Was Moritz hier in Regeln fasst, fühlt sich beim Stylen wie ein langsames Tasten an. Du stellst die Vasen hin, gehst zwei Schritte zurück, schaust einmal weg und dann wieder hin, und du merkst sofort, wenn etwas nicht stimmt.
Vertrau auf dieses kurze Stutzen. Es ist meistens ein guter Berater. Ich habe diese Lektion übrigens nicht aus einem Buch gelernt, sondern von einem 14 Zentimeter kleinen Objekt auf meinem Sideboard.
Wo deine neue Vase ihren Platz findet
Nicht jede Vase passt an jeden Ort. Was im Concept Store fotografiert nach Magazin aussieht, wirkt zu Hause manchmal verloren. Hier sind die Plätze, an denen die fünf Vasen aus diesem Artikel ihre stärkste Wirkung entfalten.
Im Eingangsbereich funktioniert die Cristalica-Bodenvase(*) besonders gut. Sie braucht keine Blumen darin, ein einzelner Olivenzweig oder Pampasgras-Halm reicht. Was sie im Flur leistet, ist atmosphärischer Übergang: Du kommst nach Hause, schließt die Tür, und das erste Objekt, das dein Blick streift, hat eine ruhige Präsenz. Das beruhigt mehr, als man glaubt.
Auf dem Sideboard im Wohnzimmer ist die Muuto Kink Vase zu Hause. Sie braucht Fläche um sich herum, deshalb funktioniert sie nicht zwischen Bilderrahmen und Büchern, sondern als Solitär auf einer ansonsten leeren Konsole. Wer ein langes Sideboard hat, kann sie an einem Drittel der Länge platzieren – nicht mittig. Das erzeugt mehr Spannung.
Auf dem Esstisch kommen kleine Gruppen ins Spiel. Drei der claï studio Bud-Vasen mittig auf einem runden Tisch, jede mit einer einzelnen Blume, ergeben eine ruhige Tischmitte, die auch beim Essen nicht stört. Dasselbe funktioniert auf einem schmalen Esstisch als Linie, idealerweise mit unterschiedlichen Höhen versetzt.
Meine steht nicht auf dem Esstisch. Aber jedes Mal, wenn ich morgens daran vorbeigehe, merke ich, dass sie genau da steht, wo sie stehen soll.
Auf dem Nachttisch im Schlafzimmer ist Platz für genau eine einzelne kleine Vase. Hier passt die Bud-Vase wieder am besten oder eine kleinere Keramikvase in gedecktem Ton. Eine einzelne Stockrose im Glas neben dem Buch, das du gerade liest … Das ist Schlafzimmer-Styling auf seinem zurückhaltendsten Niveau und gerade deshalb am stärksten.
Auf einem Beistelltisch im Wohnzimmer funktioniert die „Latona“-Vase besonders gut: ihr unebener Wabi-Sabi-Look braucht keine besondere Inszenierung, sie trägt sich selbst.
Auf der freien Fläche im Wohnzimmer als Solitär funktioniert die „Hammershøi“-Vase mit ihren Lichtrillen am besten: am stärksten direkt neben einem Fenster, wo Nachmittagslicht seitlich einfällt. Genau dieses Licht brauchen die Rillen, um zu arbeiten. Eine Ecke mit Fensterlicht, ein freier Bereich auf der Fensterbank: überall dort, wo der Blick sich sammeln will, kann sie als visueller Ankerpunkt dienen.
Wenn du das gerade liest und denkst, dass deine Wohnzimmer-Kissen auch mal wieder eine Überarbeitung brauchen könnten: schau dir unseren Sofa-Kissen-Guide an, in dem ich (Sophie) und Moritz die wichtigsten Regeln zum Kissen-Mix zusammengetragen haben. Und wenn du dich gerade für einen ganzen Wohnzimmer-Refresh erwärmst, kommt unser nächster Artikel genau zur richtigen Zeit.
Häufige Fragen zu Statement-Vasen
Wie groß sollte eine Statement-Vase eigentlich sein?
Es gibt eine grobe Faustregel: Eine Bodenvase wirkt am stärksten, wenn sie etwa ein Drittel der Wandhöhe einnimmt. Bei normaler Wandhöhe von 2,40 m wären das 70 bis 80 cm. Die Cristalica Plum Famous(*) ist mit ihren 60 cm ein perfekter Hybrid: In schmalen Fluren oder kleineren Räumen funktioniert sie wunderbar als echte Bodenvase. Hast du mehr Platz und eine hohe Decke, entfaltet sie ihre volle Wirkung als gigantisches, skulpturales Statement auf einem tiefen, massiven Sideboard. Tischvasen sollten dagegen nicht höher als zwei Drittel der Höhe einer benachbarten Lampe oder eines Objekts daneben sein, sonst kämpfen sie optisch gegeneinander.
Was kommt eigentlich in eine Statement-Vase?
Manchmal nichts. Eine gut geformte Vase ist Skulptur, kein Behälter. Wenn du etwas reinstellst, dann lieber wenig und reduziert: ein bis drei Zweige, ein einzelner Blütenstiel, vielleicht Pampasgras oder Eukalyptus für Volumen ohne Farbexplosion. Volle Blumensträuße mit Mischfarben passen zu wenigen Statement-Vasen. Wenn du blumenmäßig opulent sein willst, nimm dafür eine einfache Vase und lass die Blumen die Hauptrolle spielen.
Wo kaufe ich handgefertigte Vasen?
Kleine Werkstätten wie claï studio verkaufen heute meist über die eigene Website statt über Plattformen wie Etsy. Das ist oft sogar ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass die Manufaktur direkten Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden sucht. Achte auf eine konkrete Stadt im Impressum, eine überschaubare Produktanzahl (eine echte Werkstatt hat 30 bis 150 Stücke, nicht 2.000) und darauf, ob die Macher-Person im Shop selbst zu Wort kommt.
Wie pflege ich eine handgedrehte Keramikvase?
Handwäsche, niemals Spülmaschine. Glasuren auf handgedrehter Keramik sind oft empfindlicher als industriell gefertigte, weil sie dünner aufgetragen werden und nicht für maschinelle Belastung kalibriert sind. Mit lauwarmem Wasser und einem weichen Schwamm ausspülen, ohne Reinigungsmittel. Bei harter Wasserqualität gelegentlich mit etwas Essigwasser entkalken, danach gründlich nachspülen.
Fazit und eine kleine Verabredung
Eine Vase ist nie nur ein Behälter. Sie ist die Entscheidung, einem Raum einen Akzent zu setzen, der weder Möbel noch Kunst, sondern etwas dazwischen ist: ein Objekt, das stillsteht und trotzdem mitspricht. Wer die richtige Vase wählt, hat oft mehr verändert als zehn neue Kissen es könnten.
Welche der fünf wäre meine erste Empfehlung?
Wenn du gerade erst anfängst, deinen Stil zu finden: die Westwing-Bauchvase, weil sie sicher funktioniert. Wenn du Designerstücke liebst: die Muuto Kink. Wenn du Design mit Geschichte willst: die „Hammershøi“-Vase. Wenn du eine Statement-Wirkung suchst: die Cristalica-Bodenvase.
Und dann ist da noch Stefanies kleine Bud-Vase. Sie ist diejenige, die seit über einem Jahr bei mir auf dem Sideboard steht. Ich habe sie damals auf einer Mode-Designerinnen-Tour in Berlin entdeckt, in einem Café in Prenzlauer Berg, das eine Wand voll Stefanies Keramiken hatte. Ich habe die kleinste mitgenommen, etwa 14 Zentimeter hoch, mit einer matt-staubigen Glasur in einem Ton, den ich vorher noch nie gesehen hatte. Damals dachte ich, ich kaufe ein kleines Mitbringsel.
Was sie mir in dem Jahr beigebracht hat, war Folgendes: Eine Vase muss nicht groß sein, um zu wirken, nicht teuer und nicht trendgerecht. Sie muss nur stimmen.
Wenn sie auf dem richtigen Möbelstück steht, im richtigen Licht, in der richtigen Stille, dann reichen 14 Zentimeter Keramik, um einen Raum zu definieren. Ich habe seitdem mein Verhältnis zu Deko grundsätzlich verändert: nicht mehr auf Menge setzen, sondern darauf, dass jedes einzelne Stück sein Gewicht hat.
Stefanies kleine Vase steht immer noch da, mittlerweile manchmal mit einer Pfingstrose drin, manchmal leer, je nach Saison. Sie hat sich kein bisschen verändert. Mein Blick auf sie schon.
Wenn du noch unsicher bist, welche Vase die richtige für dich ist: fang klein an. Eine einzige gute Vase ist mehr wert als drei mittelmäßige.
Manchmal weiß man beim Lesen längst, welche es wird, manchmal braucht es noch einen kleinen Schubs. Falls du dich gerade noch nicht entscheiden kannst, sortiere ich dir die fünf hier nach dem, was sie in deinem Zuhause leisten können.
Höhe: 60 cm · Preist: ca. 43 €
Höhe: 30 cm · Preist: ca. 50 €
Höhe: 26 cm · Preist: ca. 150 €
Höhe: 25,5 cm · Preist: ca. 60 €
Höhe: 28 cm · Preist: ca. 235 €
Abschließende Frage an dich
Welche Vase aus dieser Liste hat dich am meisten überzeugt? Schreib’s uns in die Kommentare! Wir sind gespannt, ob du Team Glas oder Team Keramik bist.
Weiterführende Artikel
Wenn du nach dem Lesen dieses Artikels Lust bekommen hast, deinem Wohnzimmer insgesamt mehr Charakter zu geben, könnten diese Guides als Nächstes interessant für dich sein (klickbare Links zu den einzelnen Beiträgen):
Bereits auf dem Blog:
- Sofa-Kissen kombinieren: 7 Regeln, die jedes Wohnzimmer veredeln
Wie viele Kissen aufs Sofa gehören, welche Größen zusammenspielen und wie du aus einzelnen Stücken eine stimmige Komposition machst. - Cord oder Bouclé? Welches Material zu deinem Wohnstil passt
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Manchmal braucht ein Wohnzimmer keinen Umbau, sondern nur vier gezielte Eingriffe. Einen davon kennst du jetzt schon.
Demnächst auf dem Blog:
- Schlafzimmer als Ruheoase: Der unterschätzte Raum, der dein Wohnen verändert
Das Schlafzimmer bekommt selten die Aufmerksamkeit, die es verdient. Dabei beginnt hier das, wofür wir eigentlich einrichten.





